Noch in Arbeit, noch nicht fertig: Kleines Lexikon Friedenstheologie (Zu jedem Artikel werden später die Literaturangaben ergänzt.)

A

ATOMWAFFEN / internationale ANTI-ATOMWAFFEN-BEWEGUNG: Weltweit vernetzt, arbeitsteilig und regional organisiert, CND (darunter die Christian CND), ican, IPPNW, IALANA, M4P und die internationale plowshare- bzw. ploughshares-Bewegung. Erfolge: NPT-Vertrag 1968, INF-Vertrag 1987, START I und START II (1991 und 1993), sowie der Nuclear Weapon Ban Treaty 2017. Die Zahl der Atomsprengköpfe konnte von circa 70.000 (circa 1985) auf 14.900 (Stand 2018) reduziert werden. Das Ziel ist, die Zahl der Atomsprengköpfe auf Null zu reduzieren. Für Deutschland wichtig: Der Protest in Büchel.

 

AUGSBURGER BEKENNTNIS: siehe Artikel CONFESSIO AUGUSTANA.

B

BELLUM IUSTUM: Die Lehre vom gerechten Krieg (bellum iustum) ist eine kirchliche Lehre, der zufolge der Einsatz militärischer Mittel (also ein Krieg, ein bewaffneter Aufstand, oder eine bewaffnete Aufstandsbekämpfung) nur dann legitim ist, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind: Krieg führen darf nur (1.) eine rechtmäßige Autorität, die den Krieg (2.) aus einem gerechten Grund (3.) als letztes Mittel (4.) mit richtigen Absichten und (5.) einem klaren Ziel führt. Außerdem muss während des Krieges die (6.) Verhältnismäßigkeit der Mittel, (7.) der Schutz der Zivilbevölkerung und (8.) der faire Umgang mit Kriegsgefangenen gewährleistet sein. Der Begriff BELLUM IUSTUM entstand in der Antike, wurde seit etwa 420 n.Chr. zu einer detaillierten kirchlichen Lehre entfaltet und findet sich bis heute in kirchlichen Verlautbarungen. Beispielsweise entsprechen die sieben "Prüfkriterien" der EKD-Friedensdenkschrift (2007, S.68f) fast wörtlich den oben genannten Kriterien.

 

BERRIGAN, Daniel (1921-2016), war ein US-amerikanischer Jesuit, Schriftsteller und Friedensaktivist.

C

CHURCH AND PEACE: So heißt das europäische ökumenische Netzwerk von Friedenskirchen, christlichen Gemeinschaften, Kirchengemeinden, Ausbildungsstätten, Friedensorganisationen und Friedensdiensten. Church and Peace beteiligt sich am Dialog über Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und ist ein Katalysator für gemeinsame Initiativen und Projekte. Die Geschichte von CHURCH AND PEACE ist eng mit dem ÖRK/WCC, dem Internationalen Versöhnungsbund und mit EIRENE verbunden.

 

CONFESSIO AUGUSTANA (CA), auch Augsburger Bekenntnis (A.B.) genannt, ist ein grundlegendes Bekenntnis der lutherischen Kirchen. Es steht bis heute in vielen evangelischen Gesangbüchern, und viele kirchliche Mitarbeiter*nnen werden darauf verpflichtet. Die CA wurde am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg Kaiser Karl V. von den evangelischen Reichsständen vorgelesen und übergeben. Aus friedenstheologischer Sicht ist besonders Artikel 16 umstritten: Es "wird gelehrt, dass alle Obrigkeit in der Welt und geordnetes Regiment und Gesetze gute Ordnung, von Gott geschaffen und eingesetzt sind, und dass Christen ohne Sünde im Obrigkeits-, Fürsten und Richteramt sein mögen, nach kaiserlichen und anderen üblichen Rechten Urteil und Recht zu sprechen, Übeltäter mit dem Schwert zu bestrafen, rechtmäßige Kriege zu führen, zu streiten, zu kaufen und zu verkaufen, aufgelegte Eide zu tun, Eigentum zu haben, ehelich zu sein..."

D

DAY, Dorothy (1897-1980) war eine US-amerikanische christliche Sozialistin und Journalistin.

 

DENCK, HANS:

 

DILEMMA: Das "Dilemma-Argument" oder die "Lehre vom Dilemma" hat mit dem, was Jesus Christus gelebt und gelehrt hat, nichts zu tun. Er argumentiert nie mit dem Dilemma. Er äußert nie Verständnis dafür, dass seine Jünger in einem Dilemma leben müssen. Obwohl die Lehre vom Dilemma in der Bibel nicht belegt ist  - jedenfalls gibt es keine Worte Jesu die in diese Richtung deuten - wird das DILEMMA-Argument sehr häufig von Militärgeistlichen benutzt. Es dient in der Militärseelsorge dazu, Kriegseinsätze zu rechtfertigen und die Gewissen der Soldat*nnen zu beruhigen. Die Militär-Geistlichen berufen sich dabei nicht selten auf Dietrich Bonhoeffer: „Civilcourage kann nur aus der freien Verantwortlichkeit des freien Mannes erwachsen. Sie beruht auf einem Gott, der das freie Glaubenswagnis verantwortlicher Tat fordert und der dem, der darüber zum Sünder wird, Vergebung und Trost zuspricht.“ (Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Hg. Eberhard Bethge, Gütersloh 1985, S.13)

E

EAK/AGDF: Die EVANGELISCHE ARBEITSGEMEINSCHAFT FÜR KRIEGSDIENSTVERWEIGERER (EAK) und die AKTIONSGEMEINSCHAFT DIENST FÜR DEN FRIEDEN  (agdf) sind jene beiden Dach-Organisationen, die gemeinsam (in Bürogemeinschaft) die evanglischen Friedens-Organisationen in Deutschland vertreten.

 

EKA = Evang. Kirchenamt für die Bundeswehr. Anders als der Name suggeriert, ist das EKA keine kirchliche, sondern eine militärische Behörde. Es ist ein dem Verteidigungsministerium nachgeordnetes Amt. Es wird laut Militärseelsorgevertrag zu hundert Prozent von der Bundeswehr organisiert und bezahlt. Es ist das leitende Amt der evang. Militärseelsorge in Deutschland. Adresse: Jebensstraße 3, 10623 Berlin. Siehe auch Artikel KMBA.

 

ENZYKLIKA PACEM IN TERRIS, "über den Frieden unter allen Völkern in Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit" ist eine Enzyklika Papst Johannes’ XXIII., die am 11. April 1963 veröffentlicht wurde.

 

ERASMUS VON ROTTERDAM: Die "Klage des Friedens" (lateinisch Querela Pacis) gilt als die pazifistische Hauptschrift des Erasmus von Rotterdam, die er 1517 anlässlich einer geplanten Friedenskonferenz im nordfranzösischen Cambrai, zu der alle Herrscher Europas zu einem ‚Gipfeltreffen‘ geladen waren, geschrieben hat.

 

ERSTE CHRISTEN / URCHRISTEN: 10 bis 15 Generationen Christ*innen, von den ersten Schüler*innen / Nachfolger*innen Jesu bis zur Konstantinischen Wende.

 

EVANGELIUM: "Frohe Botschaft" oder "gute Nachricht". Unter Christ*innen gehen aber die Ansichten weit auseinander, worin diese frohe Botschaft (oder gute Nachricht) nun eigentlich besteht. Besteht sie darin, dass Jesus Christus für uns gestorben ist, und dass Gott uns deshalb alle Sünden vergibt, und uns aufnimmt in sein ewiges Reich? Oder besteht sie darin, dass Gott alle Menschen liebt? Beziehungsweise dass Gott die gläubigen Christ*innen liebt? Wer die entsprechenden Bibelstellen (z.B. Mk 1,15) im Urtext liest und den Kontext (die damalige Zeit, andere biblische Texte) berücksichtigt, kommt zu einem ganz anderen Ergebnis: Es ist die frohe Botschaft, dass die alte Welt (Kennzeichen: Unterdrückung, Unrecht, Hunger, Gewalt, Krankheit) zu Ende ist und das Gottesreich (Kennzeichen: Heilung, Helfen, Einladen, Teilen, Vergebung, Festessen, Gewaltlosigkeit, Gott nahe, Gott spürbar, Gott wie ein guter Vater oder guter Hirte) im Moment beginnt. Das es im Moment hereinbricht. Jesus Christus hat sich und seine Anhänger*nnen als die ersten Bürger des REICHES GOTTES (der neuen Welt) verstanden.

F

FEINDESLIEBE:

 

FEST (Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V.) residiert in einer Villa oberhalb von Heidelberg. Sie wird durch die EKD, die evang. Landeskirchen und die evang. Akademien mit viel Geld versorgt. Die FEST hat unter anderem einen Arbeitsbereich "Frieden und nachhaltige Entwicklung". In diesem Arbeitsbereich sollte eigentlich friedenstheologische Arbeit geleistet werden. Stattdessen baut die FEST gedanklich-argumentative Brücken zwischen dem Militär und der Friedensbewegung, beispielsweise mit dem Konzept JUST POLICING. Christlich-pazifistische Positionen stoßen in der FEST auf breite Ablehnung. Die FEST befindet sich beim Thema FRIEDEN seit vielen Jahren in einer Art Lähmung, Erstarrung oder im Rückwärtsgang.

 

FRANZ VON ASSISI, FRANZISKUS ASSISIENSIS, FRANCESCO BERNADONE:

 

FRANZISKUS, PAPST

 

FRIEDE / FRIEDEN:

 

FRIEDENSDENKSCHRIFT: Die sogennante "EKD-Friedensdenkschrift" von 2007 legt - nach einem umfangreichen Vorwort und vielen friedlichen Worten - am Ende in sieben Prüfkriterien fest, unter welchen Bedingungen wir Kriege beginnen und führen dürfen.

G

GEWALTFREIE REVOLUTIONEN / GEWALTFREI AUFSTÄNDE: Liberia 2003, DDR 1989, Philippinen 1986 ...

 

GEWALTLOSIGKEIT / GEWALTFREIHEIT:

 

GNADE / VERGEBUNG / BILLIGE GNADE:

H

HEILIGE: Es wird oft gesagt, dass nur die "Heiligen" oder "heilgmäßige Menschen" auf Waffen verzichten könnten...

 

HUMANITÄRE INTERVENTION: Euphemistischer Begriff für "Krieg". Siehe Artikel SCHUTZVERANTWORTUNG.

I

IONA COMMUNITY, weltweite ökumentische Gemeinschaft mit Zentren in Glasgow und auf der Insel Iona / Schottland, setzt sich seit 1938 aktiv - auch mit direkten Aktionen - für Abrüstung ein.

 

IUS AD BELLUM: Die Lehre, dass man gewisse Kriterien erfüllen muss, bevor man einen Krieg zu beginnen darf.

 

IUS IN BELLO: Die Lehre, nach der man sich innerhalb eines Krieges zum Beispiel gegenüber Zivilisten und Kriegsgefangenen so anständig wie möglich verhalten soll.

J

JESUS VON NAZARETH / JESUS CHRISTUS:

 

JUST POLICING: Dieser Ausdruck entstand in einer Arbeitsgruppe, die aus Mennoniten und volkskirchliche Christen bestand. Der Begriff wird heute meist euphemisch verwendet. Kriege werden in der Politik gerne als "internationale Polizeiaktionen" bezeichnet. Es gibt in den meisten Ländern der Welt nicht den Unterschied zwischen Militär und Polizei. Außerdem wird die Polizei oft so hochgerüstet, dass kaum noch ein Unterschied zum Militär erkennbar ist.

K

KATHOLISCHES MILITÄRBISCHOFSAMT, leitende Behörde der katholischen Militärseelsorge in Deutschland, residiert am Weidendamm 2, 10117 Berlin, siehe Artikel EKA

 

"KAUFE ZWEI SCHWERTER" (Lk 22,36):

 

KING, MARTIN LUTHER: Baptistischer US-Pastor ...

 

KONSTANTINISCHE WENDE:

 

KRIEG / KRIEGSEINSATZ:

L

LAMM GOTTES: Jesus Christus wurde von seinen Anhänger*innen bereits früh als "Lamm Gottes" bezeichnet. Ein Lamm ist so etwas wie das Gegenteil von einem Raubtier (Adler, Falke, Löwe, Panter, Piranha). In mehreren Gleichnissen und auch in Psalm 23 werden die Gläubigen symbolisch mit LÄMMERN gleichgesetzt, aber nicht mit Raubtieren. Wenn wir uns aber - zum Beispiel im soldatenberuf - wie Raubtiere verhalten, dann kann Jesus Christus nicht mehr unser Hirte sein. Weil er dann ein Hirte ohne Herde wäre.

 

LIBERIA 2003: Der gewaltfreie, erfolgreiche Aufstand christlicher und muslimischer FRAUEN gegen den Diktator.

 

LUTHER, MARTI:

M

METZGER, MAX JOSEf: * 3. Februar 1887 in Schopfheim; † 17. April 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden, war ein deutscher katholischer Priester, der wegen seiner pazifistischen Überzeugung vom Volksgerichtshof unter Vorsitz seines Präsidenten Roland Freisler am 14. Oktober 1943 zum Tode verurteilt und nach sechs Monaten hingerichtet wurde.

 

MILITÄR / MILITÄRISCHE MITTEL:

MILITÄRISCHE INTERVENTION: moderner Euphemismus für KRIEGSEINSATZ oder KrIEGSZUG.

 

MILITÄRMUSIK IN KIRCHEN: Derzeit finden pro Jahr etwa 100 Militärkonzerte in landeskirchlich-evangelischen und römisch-katholischen Kirchen statt. Die Initiative MUSIKER GEGEN MILITÄRMUSIK engagiert sich gegen diesen Missstand.

 

MILITÄRSEELSORGE / SOLDATENSEELSORGE / MILITÄR-GEISTLICHE: Seit der Konstantinischen Wende bis heute werden Militärpfarrer/innen (Feldgeistliche) vom Staat bezahlt und unterhalten. Nach dem Militärseelsorgevertrag von 1958 wird die Militärseelsorge vom Staat organisiert und bezahlt. Die etwa 200 Militär-Geistlichen sind Bundesbeamte, haben ihre Büros in Kasernen, benutzen Fahrzeuge der Bundeswehr und tragen im Ausland (und in Manövern und auf Kriegsschiffen) militärische Kleidung. Die Ökumenische Initiative zur Abschaffung / Reform der Militärseelsorge sammelt Informationen zu diesem Thema und setzt sich für eine kirchlich organisierte Soldatenseelsorge (im Sinne einer Aussteigerberatung und -betreuung) ein.

 

MORAL / MORALTHEOLOGIE / MORALISMUS:

N

NACHFOLGE CHRISTI:

 

NAHERWARTUNG / PARUSIEVERZÖGERUNG:

 

NATURRECHT: Die katholische Moraltheologie - und damit auch die Friednsethik - basiert neben der Bibel stark auch auf dem Naturrecht, insbesondere auf antiken Rechtsgrundlagen, darunter die Lehre vom BELLUM IUSTUM.

 

NIEMÖLLER, MARTIN: evangelischer Pfarrer, durch den Krieg zum Pazifisten geworden, langjähriger Vorsitzender der "Deutschen Friedensgesellschaft" (heute DFG-VK).

 

NONVIOLENT PEACE FORCES (NPF):

O

OHNE RÜSTUNG LEBEN: Organisation die in den 1980er-Jahren aus der evangelischen Friedensbewegung in Deutschland hervorging.

P

PAX CHRISTI: Weltweite, katholische, halbpazifistische Organisation. Engagiert sich gegen Rüstungsexporte und Kriegspolitik, aber nicht gegen die Zusammenarbeit der Kirche mit dem Militär (z.B. 1. die 100 Militärkonzerte in Kirchen pro Jahr in Deutschland und 2. die vom Militär organisierte und bezahlte Form der Militärseelsorge)

 

PAZIFISMUS: Verschiedene Lehren, die militärische Gewalt ablehnen. Das Wort ist abgeleitet aus der lateinischen Übersetzung der Bergpredigt Jesu: "Beati pacifici", zu Deutsch: Selig sind die Frieden machen. Es gibt ein breites Spektrum von Vernunftpazifisten bis Radikalpazifisten. In öffentlichen Diskussionen hört man immer wieder den Satz "Ich bin kein Radikal-Pazifist."

 

PEACE BRIGADES INTERNATIONAL (PBI):

 

PFUGSCHAR / PFUGSCHARBEWEGUNG / PLOWSHARES / PLOGHSHARES: arbeitet mit der "Christian CND" zusammen. "Schwerter zu Pflugscharen" war ein Motto der friedlichen Revolution 1989.

Q

QUAKER / QUAEKER:

R

RADIKAL / RADIKALPAZIFIST: Davon distanziert man sich gerne und oft. Aber lateinisch "radix" heißt auf Deutsch "Wurzel". Man kann also sagen, ein "Radikaler" ist ein Mensch, der Wurzeln hat. Der Unterschied besteht im Erdboden. In welchem Untergrund ist ein Mensch verwurzelt? Im Erdboden der eigenen Nation (Nationalismus)?  Im Erdboden der eigenen körperlichen oder geistigen Leitungsfähigkeit (Egozentrismus)? Oder ist jemand in Jesus Christus (seinem Licht, seiner Gegenwart, seines Friedens, seiner Liebe) verwurzelt? Es gibt auch "unverwurzelte" und "leicht verwurzelte" Menschen. Die kann der Wind leicht umwerfen.

 

RECHTFERTIGUNGSLEHRE: Wird von der Militärseelsorge gerne zur Beruhigung der Gewissen benutzt. Wir haben - Gott sei dank - einen freundliche Gott, der uns unsere Sünden vergibt. Deshalb braucht ihr keine Angst zu haben, im Krieg schuldig zu werden. Ihr dürft arme Afghanen und Afrikaner notfalls erschießen - Gott wird es Euch vergeben.

 

REFORMATION: lateinisch Re = zurück, formation = Formung. Im engeren Sinne die Erneuerung der Kirche btw. eines Teiles der Kirche im 16. Jahrhundert. Im weiteren Sinne - gemäß dem Motto "Ecclesia semper reformanda" - auch heute dringend notwendig!

 

REICH GOTTES, hebr. Malchut, griech. "basileía tú the-ú". Bereits im Alten Testament gibt es die Vorstellung vom Machtbereich Gottes. Man stellte es sich entsprechend den Machtbereich eines Königs vor. Zur Zeit Jesu sehnten sich viele Menschen danach, dass die alte Welt (Kennzeichen: Unterdrückung, Unrecht, Hunger, Gewalt, Krankheit) zu Ende geht und eine neue Welt (Kennzeichen: Heilung, Helfen, Einladen, Teilen, Vergebung, Festessen, Gewaltlosigkeit, Gott nahe, Gott spürbar, Gott wie ein guter Vater oder guter Hirte) bald beginnt. Viele warteten auf einen endzeitlichen Retter-König (Messias, Christus) gewartet. Viele Menschen machten die Erfahrung: Jesus Christus ist dieser endzeitliche Retter-König. Mit ihm verwandelt sich die alte in die neue Welt, mit ihm beginnt das REICH GOTTES.

RESPONSIBILITY TO PROTECT (R2P): Wird häufig gleichgesetzt mit militärischer Schutzverantwortung. Auf diese Weise wurde R2P zum Standard-Argument für Kriegseinsätze. Die Kriegs-Propaganda zeigt in solchen Fällen gerne eine kleine wehrlose Volksgruppe, das akut vom Völkermord bedroht ist. Wenig später "reagiert" die Politik (oder die Koalition der willigen) mit einer "militärischen Intervention".

RESPONSIBILITY TO PREVENT: Frühzeitige Erkennung und Bearbeitung internationaler oder innerstaatlicher Konflikte.

 

ROSENKRANZREVOLUTION: Philippinen

S

SATTLER, MICHAEL:

 

SCHÖPFUNG, besonders die "Bewahrung der Schöpfung": Motivation aus der heraus sich manche Menschen gegen Atomwaffen und andere Kriege einsetzen.

 

SCHUTZVERANTWORTUNG: siehe RESPONSIBILITY TO PROTECT (R2P)

 

SCHWERTER ZU PFLUGSCHAREN: siehe PFLUGSCHAR:

 

SEGNEN VON WAFFEN / KRIEGSGERÄTE WEIHEN: Es ist kaum zu fassen, aber leider die Wahrheit: Katholische Militärpfarrer segnen auch heute noch ab und zu Kriegsflugzeuge, Krigsschiffe und Kriegsfahrzeuge. Ein Militärpfarrer hat es mir wie folgt erklärt: Wenn man es als katholischer Pfarrer gewohnt ist, Feuerwehrfahrzeuge, Motorräder und Parkhäuser zu segnen und einzuweihen (im religiösen Sinne des Wortes), dann liegt es nicht fern, dies auch mit Kriegswaffen zu tun, denn auch diese dienen letztlich dem Frieden ... oder etwa nicht?

 

SOLDATENSEELSORGE: siehe MILITÄRSEELSORGE:

 

SÜNDE / SCHULD: "Wir sind allzumal Sünder" ....
"Wir werden so und so schuldig." Siehe Art. DILEMMA

T

TÄUFER / WIEDERTÄUFER:

 

TIERSCHUTZ: Nicht nur Menschen leiden unter Krieg, Militär und Rüstung. Nicht nur die natürlichen Ressourcen (Luft, Wasser, Boden, Pflanzen) leiden darunter. Auch Tiere leiden darunter, und zwar als Versuchstiere, als Lasttiere, als Reittiere, als Schlachttiere, als Kampfmittel-Such-Hunde, als Kollateralschäden und als Ventil für die Aggressionen der Soldaten.

U

UMFRID, OTTO: 1857-1920, evangelischer Pfarrer in Württemberg, zahlreiche Schriften gegen Rüstung und Krieg, aktiv für die deutsch-französische Versöhnung [Die beiden Länder galten damals als Todfeinde], für ein friedliches Europa, Beinahe-Friedensnobelpreisträger, viele Jahre stv. Vorsitzender der Deutschen Friedensgesellschaft.

 

URCHRISTEN: siehe ERSTE CHRISTEN

V

VERGEBUNG:

 

VERNUNFT: Es wird oft gesagt, es sei vernünftig, als letztes Mittel - falls man es benötigt - auch das Militär bereit zu halten. Dagegen sei es unvernünftig (naiv), ganz auf zivile (gewaltlose) Methoden zu setzen. Dagegen ist zu sagen, dass die weltweiten Rüstungsausgaben unvernünftoig sind. Es wäre vernünftiger, das viele Geld in soziale Einrichtungen zu investieren. Außerdem sind die vielen Schäden, Verletzungen und Todesfälle, die durch Kriege verursacht werden, unvernünftig. Vernünftiger wäre es, sich friedlich (jedenfalls ohne Waffengewalt) zu einigen. Darüber hinaus sei daran erinnt, dass nach urchristlichem Bekenntnis Christus der Logos ist, was man mit "Vernunft" übersetzen kann. Jesus Christus, der die "Vernunft" ist, hat Waffengewalt abgelehnt.

 

VERSÖHNUNGSBUND, INTERNATIONALER (engl: International Fellowship of Reconciliation, frz: Movement International de Reconcikliation)

 

VERTEIDIGUNG, zivil:

 

VOLKSKIRCHEN: Es wird gerne gesagt, dass in einer Volkskirche auch viele Rüstungsarbeiter und Soldaten - und deren Familien - seit Generationen treue Mitglieder sind, und dass die Volkskirchen deshalb nichts gegen Rüstungsfirmen und nichts gegen das Militär sagen dürfe. Außerdem habe auch Jesus die Zöllner und Sünder eingeladen habe. Und außerdem seien die Militär-Befürworter wichtige Kirchensteuerzahler. Die Volkskirchen hätten aktuell sowoeso viele Kirchenaustritte zu verkraften. Man dürfe mit Militär-Kritischen Aussagen nicht zusätzlich Mitglieder verprellen.  Aber wir fragen: Wer ist der HERR der Kirche? - auch der Volkskirchen? Ist das Volk der Herr der Volkskirchen? Angenommen es wären viele Drogensüchtige und Drogenproduzenten und Drogenhändler treue Mitglieder einer Volkskirche, dürfte diese Volkskirche dann nichts gegen Drogen sagen? Muss man nicht zwischen einer Person (Jeder Mensch ist ein wertvolles Kind Gottes) und seinen Taten (diese sind manchmal abzulehnen) unterscheiden?

 

VORRANG FÜR ZIVIL: Wird häufig euphemistisch verwendet, als Argument für Militär, Rüstung und Krieg. Denn wenn alle zivilen Mittel ausgeschöpft sind, benötigt man gemäß dem Motto "Vorrang für Zivil" am Ende doch militärische Mittel. Für diesen "äußersten Fall, den sich natürlich niemand wünscht" muss genügend Militär und Rüstung bereitgehalten werden.

W

WAFFE / WAFFENGEWALT: Soweit es aus dem Neuen Testament bekannt ist, und mit historisch-kritischen Methoden erforscht wurde, hat Jesus Christus nie zur Waffe gegriffen. Er hat seine Schüler*innen nie aufgefordert, eine Kriegswaffe zu benutzen. Er hat Waffengewalt nie gerechtfertigt. Vielmehr hat er bei seiner Festnahme einen Schüler ausdrücklich gebeten, das Schwert nicht zu gebrauchen. (Mt 26,52)

 

WAFFEN SEGNEN / KRIEGSWAFFEN WEIHEN: siehe Art. SEGNEN VON WAFFEN

 

WAFFENRÜSTUNG GOTTES / GEISTLICHE WAFFEN GOTTES (Epheser 6): dieser Text bedeutet, dass wir nicht mit militärischen Waffen, sondern mit geistlichen Waffen kämpfen sollen: "legt die Waffenrüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils widerstehen, alles vollbringen und standhalten könnt! Steht also da, eure Hüften umgürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Brustpanzer der Gerechtigkeit, die Füße beschuht mit der Bereitschaft für das Evangelium des Friedens. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes! Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen"

 

WIDERSTAND gewaltfrei organisieren und erfolgreich durchführen:

Y

YODER, JOHN HOWARD (1927-1997): wichtiger US-Friedenstheologe, schrieb eines der wichtigsten friedenstheologischen Bücher des 20. Jahrhunderts: "Die Politik Jesu - Der Weg des Kreuzes" (weiteres siehe Wikipedia)

Z

ZIVILE VERTEIDIGUNG:

 

ZIVILER FRIEDENSDIENST:

 

ZWEI-REICHE-LEHRE / ZWEI-REGIMENTE-LEHRE / ZWEI-SCHWERTER-LEHRE: Diese Lehre hat sich im Laufe der Geschichte - von der antike über die Reformationszeit bis heute - oft verändert: Mal ist das Gegenüber von "Päpstlicher Macht" und "Kaiserlicher Macht" gemeint. Mal ist das Gegenüber von "Reich des Glaubens / der Innerlichkeit" und "Reich der Welt / der weltlichen Ordnungen" gemeint. Mal ist das keilförmige Eindringen der neuen Welt (Reich Gottes, neue Welt) in die unerlöste alte Welt (Reich des Satans) gemeint. Von lutherischen Theologen wurde die Zwei-Reiche-Lehre oft wie folgt eingesetzt: Man muss Gott nur im Bereich des Glaubens (dazu gehört der Berich der Kirche und des Privatlebens) gehorchen. Aber im Bereich der Welt und aller weltlichen Ordnungen (z.B. Gericht, finanzen, Militär) muss man der Obrigkeit gehorchen. Denn Gott habe beide Ordnungen (beide Reiche, beide Schwerter) eingesetzt. Gegen diese Vorstellung kann gesagt werden, dass wir im Vaterunser beten, dass Gottes Wille in beiden Reichen getan werden soll (sinngemäß): Dein Reich soll kommen, dein Wille soll geschehen, sowohl im Himmel als auch auf Erden!